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Karla zieht um - Teil 4



Ich befinde mich im Endspurt. Morgen geht der Umzug über die Bühne, und schon heute kann ich mich kaum noch bewegen. Der gestrige Tag war wirklich mehr als anstrengend. Nach drei Stunden Schlaf bin ich 7 Uhr aufgestanden und habe um 8 angefangen, die Renovierung weiter zu treiben. Erst bin ich wieder mit meinem geliebten Gips durch die Wohnung geheizt und habe sämtliche Löcher zugespachtelt, danach habe ich das Bad gestrichen. Das Wetter war nicht wirklich auf meiner Seite, da es geregnet hat und damit extrem dunkel in meiner Wohnung war (Lampen habe ich ja leider keine mehr).

Dann kamen die Leute, die vorgestern schon da sein sollten und haben Couch und Couchtisch abgeholt. Der eine Möbelpacker war so begeistert von meiner Wohnung, dass er gleich die Adresse von der Hausverwaltung haben wollte. Vermutlich zieht er wohl nach mir hier ein. Am Nachmittag kam dann Manu vorbei und hat mir geholfen. Wir haben sämtliche Möbel im Wohnzimmer abgebaut und danach haufenweise Kram nach Jena gefahren. Das war so anstrengend, dass wir danach erstmal in Weimar beim Italiener essen gehen mussten :D

Wieder in meiner alten Wohnung angekommen, war ich so fertig mit der Welt, dass ich nichts weiter tun konnte, als mir einen Tee zu kochen, meine Mutter anzurufen und danach ins Bett zu gehen. Um 22 Uhr habe ich geschlafen wie ein Baby. Außerdem habe ich mich geweigert, mich heute von meinem Wecker aus dem Schlaf reißen zu lassen, weshalb ich volle 12 Stunden Schlaf abbekommen habe - war mal wieder schön. Heute werden dann noch die restlichen Malerarbeiten gemacht und ab morgen lebe ich offiziell in meiner neuen Wohnung. Dort werde ich übrigens erstmal eine Zeit lang von der Außenwelt abgeschnitten sein, also wer mit mir sprechen will, muss mich entweder besuchen kommen, einen Brief schreiben oder auf dem Handy anrufen!


28.9.07 10:49


Karla zieht um - Teil 3



So langsam und ganz allmählich lichtet sich das Chaos. Oder es ist komprimiert, ich bin mir da nicht ganz sicher. Der letzte Tag war sehr anstrengend. Jede Menge Gips und Wandfarbe waren im Spiel. Mittlerweile bin ich Meisterin im Löcher verschließen und grüne Farbe mit nicht-deckendem Weiß verschwinden lassen, auch wenn ich nicht weiß, ob mir das in meinem weiteren Leben noch etwas bringen wird. Jedenfalls ist mein Wohnzimmer bis auf wenige Stellen wieder blütenweiß, morgen wird das gleiche mit den übrigen Räumen geschehen.

Aber (wie es sich für DIESEN Umzug gehört) es gibt natürlich wieder etwas, das schief gelaufen ist. Heute sollte eine Firma meine Couch und den Couchtisch abholen. Diese beiden Möbelstücke sollen nicht mit umziehen. Dummerweise versperrt die Couch aber noch immer den Eingangsbereich meiner Wohnung und der Tisch steht mitten im Wohnzimmer und stört dort. Tolle Sache. Allgemein ist meine Wohnung gerade alles andere als gemütlich - ich schätze, das ist der Grund, weshalb ich nicht schlafen kann.

Dafür läuft aber in meiner neuen Wohnung wenigstens alles glatt. Die Genossenschaft arbeitet wirklich auf Hochtouren. Hatte ich mir vorgenommen, morgen mit meinem geliebten Gips nach Jena zu fahren, um die Löcher zu verschließen, musste ich diesen Plan heute gleich verwerfen. Ich war in meiner Wohnung um schon einige Sachen hinzuschaffen, da waren die Löcher bereits alle verschlossen und die Farbe (die morgen an die Wände kommt) stand auch schon bereit. Wenigstens das. Ich werde in eine komplett renovierte Wohnung einziehen.

Jedenfalls habe ich jetzt noch zwei Tage Zeit, um hier Ordnung zu schaffen. Die kleinen Sachen, die hier noch herumfliegen, fahre ich nach und nach nach Jena, sodass am Samstag nur noch große Sachen zu tragen sind. Und dann schlafe ich am Samstag endlich in meiner neuen Wohnung, aus der ich garantiert so schnell nicht wieder ausziehen werde - denn davon habe ich mittlerweile wirklich wieder genug!

27.9.07 02:28


Karla zieht um - Teil 2



Der Tag des Umzugs rückt näher - auch wenn ich noch nicht mit Sicherheit sagen kann, welcher Tag es sein wird. Aber auf jeden Fall nächste Woche, das ist ja immerhin schonmal etwas. Morgen kann ich endlich meine neue Wohnung mal sehen, was ja bisher auch noch nicht der Fall war - auch ein Fortschritt.

Unterdessen sieht meine derzeitige Wohnung immer trostloser aus. Jetzt hängen nicht einmal mehr Gardinen vor den Fenstern - äußerst ungemütlich. Die Anzahl der blauen Säcke im Nebenzimmer steigt immer weiter. Ich bin wie ein Weltmeister damit beschäftigt, meine sämtlichen Textilartikel zu waschen, damit sie den Geruch verlieren, den sie angenommen haben, als ich noch geraucht habe. In den letzten Tagen waren das bereits 6 Maschinen Wäsche, und es wartet noch immer ein schier riesiger Berg. Ich hatte nicht gedacht, dass ich so viele Klamotten besitze.

So ganz nebenbei geht auch schon wieder die Vorbereitung auf das Studium los. Nachdem ich erfahren habe, dass ich meine Latein-Prüfung mit Note 1 bestanden habe, beginne ich nun, mir die Grammatik wieder beizubringen, die ich mittlerweile vergessen habe. Außerdem liegen schon drei Bücher bereit, die ich für Philosophie vorbereitend lesen muss/will. Also der Berg an Arbeit, der auf mich wartet, wird einfach nicht kleiner, zumindest merke ich noch nichts davon. Jedenfalls werde ich froh sein, wenn wenigstens der Umzug hinter mir liegt und dieser wirklich große Anteil der Arbeit verschwindet.
21.9.07 15:16


Karla zieht um - Teil 1



In etwa zwei Wochen werde ich mein neues Zuhause bewohnen. Bis dahin ist natürlich noch eine ganze Menge zu tun. Von dem ganzen Papierkram, den so ein Umzug mit sich bringt, möchte ich gar nicht erst anfangen. Auch das Ausmisten ist ein wahrer Graus. Ich schwanke immer zwischen den Gefühlen, dass mir das einerseits unheimlich auf den Geist geht, andererseits aber notwendig und auch praktisch ist und drittens bin ich erstaunt, wie viel unnötiger Mist sich in den zwei-einhalb Jahren, die ich meine Wohnung nun bewohnt habe, angesammelt hat.

Andererseits wird man natürlich auch ein wenig sentimental. In meinem "leeren" Zimmer stehen drei Säcke voller Klamotten, zwei Säcke voller Müll und eine große IKEA-Papiertasche voll Altpapier. Daneben allerdings auch einige Sachen, von denen ich mich trennen muss. Die Wände in meinem Zimmer sind leer, da sämtliche Dekoration schon entfernt wurde. Ist irgendwie schon ein seltsames Gefühl, die Wohnung, in der man 30 Monate lang sein Leben verbracht hat, zu verlassen um in seinem Leben einen Schritt nach vorn zu machen. Ich will gar nicht daran denken, was das für ein Gefühl sein wird, wenn ich die Tür zu meiner dann leeren Wohnung für immer hinter mir zuziehen werde.

Aber bis dahin habe ich noch zwei ziemlich stressige Wochen voller Papierkram und durch die Kante rennen vor mir, die mich davon ablenken, dass ich dieses Zuhause verlassen muss - und diese Stadt. Aber man sollte wohl auch nicht ZU sentimental sein, schließlich überwiegt die Freude auf die neue Wohnung und die neue Stadt am Ende ja doch.
15.9.07 21:48


Fernweh



Es sind Semesterferien, was soviel bedeutet wie: ich habe jetzt wieder mehr Zeit, Schwedisch zu lernen. Und wie das eben immer so ist, wenn ich mir viel Zeit für meine sprachliche Weiterbildung nehme: ich bekomme Fernweh. Per Webcam schaue ich mir den Sonnenuntergang über Gamla Stan, der Altstadt Stockholms an, und es wird nicht besser. Ich höre RIX FM, und es wird nicht besser.

Und so sitze ich da, 23 Uhr am Freitagabend, auf dem Bildschirm die Webcam vom Sergels Torg. Der Platz ist hell erleuchtet, ebenso wie der Kristallvertikalaccent, ein Glasobelisk in der Mitte des Platzes. Noch immer fahren Busse und sonstige PKW im Kreisverkehr um den Obelisken herum. Menschen streifen durch die Straßen, in der Mitte des Platzes haben sich fünf Leute getroffen, wahrscheinlich um miteinander zu reden, sie stehen jedenfalls schon lang dort. Es ist eine milde Nacht. Es regnet nicht, gut 18°C. Ich wünschte, ich wäre jetzt dort.

Doch mir bleibt nichts weiter, als zu warten. Zu warten, bis es endlich soweit ist, dass ich auswandere. Zu warten, bis ich endlich selbst Freitagnacht auf dem Sergels Torg stehen kann und nicht mehr darauf angewiesen bin, das Geschehen am PC über eine Webcam zu verfolgen. Zu warten, bis ich mir meinen Traum endlich erfüllen kann. 

www.rixfm.se
www.webbkameror.se

10.8.07 23:10


Klar sehen



(Dieser Text entstand am 15. Juli 2007)

Manchmal hat man eine Offenbarung. So einen Moment, in dem man zu sich selbst sagen kann: "Natürlich, jetzt sehe ich vollkommen klar!" Eigentlich ist das nichts Besonderes. Gerade wenn man Student ist kommt so etwas häufig vor, egal ob Natur- oder Geisteswissenschaften. Doch wie selten sind die Offenbarungen außerhalb dieses Bereiches? Sagen wir, im zwischenmenschlichen Bereich? Natürlich sind sie rar gesät, da es nie einfach ist, einen Menschen zu verstehen. Aber was noch schwieriger ist: sich selbst verstehen.

Wenn ich zurückdenke, wie viele Offenbarungen zu meiner eigenen Person oder meinem Leben ich bisher hatte, brauche ich lediglich eine einzige Hand, um sie abzählen zu können. Ist ja auch klar, man gewinnt zu sich selbst selten den Abstand, den man bräuchte, um nahegehend objektiv urteilen zu können. Doch manchmal gelingt es eben doch, dass man es schafft, sich selbst die rosarote Brille von der Nase zu reißen und die Dinge so zu sehen, wie sie wirklich sind - ohne all die Verzierungen, die die eigene Phantasie hinzufügt. Solch einen Moment hatte ich heute.

Es begann alles ganz harmlos. Ich hatte Zweifel in Bezug auf etwas, das ich nicht näher definieren möchte. Genau so groß war mein Zweifel, ob ich jemandem davon erzählen sollte. Als dann allerdings eine meiner besten Freundinnen anrief, sprach ich mich doch einmal aus. Und genau das war der Moment der Offenbarung. Es lag nicht an dem, was sie sagte, sondern vielmehr daran, was ich sagte - und dass ich es mich selbst sagen hörte. Den ganzen Tag über gingen mir meine eigenen Worte nicht mehr aus dem Kopf und ich begann, meine Situation zu betrachten, als sei ich selbst nicht daran beteiligt.

Am späten Abend saß ich in meiner Küche am offenen Fenster. Ein kühler Wind blies mir ins Gesicht, der nach einem heißen Sommertag äußerst angenehm war. Ich nippte an meinem Wodka-Martini und blickte hinauf zu den Sternen. Und in diesem Moment wurde mir klar, dass ich nun klarer sah. Die rosarote Brille war weg und auf einmal sah alles nicht mehr ganz so freundlich aus, wie ich es mir eingebildet hatte.

Ich wusste nicht, ob ich mich freuen sollte, da ich nun endlich verstand, oder ob ich traurig sein sollte, da mir bewusst wurde, dass sich schon bald etwas ändern würde von dem ich geglaubt hatte, dass es sich so schnell nicht ändern würde. Doch das ist wohl der Haken an diesen tollen Offenbarungen: sieht man seine eigene Situation erst einmal mit ein wenig Abstand, wird einem schnell bewusst, dass einem dieses Bild, welches sich offenbart, eigentlich überhaupt nicht gefällt und man sich selbst darauf nicht wiedererkennt. Das ist wohl der Preis, den man zahlen muss, wenn man danach strebt, in allem, was man tut, man selbst bleiben zu wollen. Aber es lohnt sich ja auch, denn die eigene Person ist wohl die einzige, die einem wirklich bis ans Lebensende treu bleibt.

 
21.7.07 21:53


Was man nicht tun sollte



Wenn man eine Frau ist, die
  1. Kleidergröße 34 hat,
  2. den ganzen Tag nichts weiter gegessen hat als ein paar Löffel Eiscreme und eine Nektarine,
  3. in einer überhitzten Dachgeschosswohnung lebt
dann sollte man nicht:

Einen (halben) eisgekühlten Wodka-Martini trinken!

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit *hicks*
14.7.07 20:07


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